FRISE 2012 / DAEMON’S DILEMMA / Eine Ausstellungsreihe in 6 Feldern

Die FRISE-Ausstellungsreihe 2012 Daemon’s Dilemma – ENERGIE: Zeichen eines notwendigen Paradigmenwechsels rückt ausgewählte Aspekte des Themas – von der trügerisch ephemeren Qualität der Energie über ihre zerstörende Kraft bis hin zu ihrem transformativen Potenzial – in den Blick.

In Anknüpfung an die Figur des „Maxwellschen Dämons“, die der schottische Physiker James Clerk Maxwell im 19. Jahrhundert in einem Gedankenexperiment zur Hinterfragung des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik als „Mittler“ zwischen widerstrebenden Prinzipien einführte, wird hier der Dämon zum Sinnbild für den heutigen Menschen, der aufgerufen ist, ein ausweglos scheinendes Dilemma zu lösen. Die Fortschrittseuphorie des 20. Jahrhunderts ist vorbei. Wir stehen heute vor der existenziellen Notwendigkeit einer radikalen Energiewende.

www.daemonsdilemma.blogspot.de

Feld 6: ENTROPIE / WASTE

Feld 6 von Daemon’s Dilemma widmet sich der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Entropie, der Zerstreuung, des Informationsverlusts und des Abfalls. Entropie beschreibt eine fortschreitende irreversible Entwicklung, die zu einem Gleichgewichtszustand der maximalen Zerstreuung führt. Ein geschlossenes System wird nach und nach schwächer und beginnt auseinander zu brechen, es gibt keinen Weg, es wieder zusammen zu bauen.
Die stets zunehmende Menge an Informationen und der kapitalistische Konsumismus führen heute scheinbar unweigerlich zu einer globalen Monokultur, die in einem endgültigen Zustand der Gleichheit endet: dem entropischen Kältetod. Als Gegenspieler zu dem Verlust an Energie erscheint die Kunstfigur des „Maxwellschen Dämons“, dem es gelingt, wieder Ordnung in das System zu bringen, so dass die Energie nicht verloren geht.
Die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler betätigen sich als „Maxwellsche Dämonen“, indem sie verlorene/vergessene Information neu formieren, künstlerisch aufladen und so neue Bedeutung (Energie) erzeugen. Der Maxwellsche Dämon wird zum Symbol für ein mögliches Entkommen aus der allgegenwärtigen Informations- und Abfallflut. Er versucht nützliche Fakten von unbrauchbaren zu trennen und stellt sich so dem scheinbar unumgänglichen Zerfall unserer Welt entgegen.

Teil 1: ROTATION (17.10. – 04.11.2012)
Eröffnung Mittwoch 17.10. 20 h

„Ugly/beautiful does not exist, everything is aesthetic. Aesthetics is energy, power, magnetism…“
(aus: Lambrettas Manifest, Art in Norway, London 1983)

Eine Ausstellung der Künstlergruppe Lambretta (D/N) zum Thema Entropie / Waste
von Axel Ekwall, Edgar Ballo, Ole Henrik Hagen und Erik Annar Evensen.
Die zum Teil groß angelegten Installationen der norwegischen Künstlergruppe Lambretta dynamisieren und dramatisieren im buchstäblichen Sinn Abfall. Die Gruppe gehört zu den Vorreitern der Video-, Prozess und kinetischen Installationskunst in Norwegen.
Maxwells Dämon wird auch als ein mögliches Perpetuum mobile beschrieben. Im Rahmen der Ausstellung Rotation, Teil 1 von Feld 6: Entropie / Waste, werden die Mitglieder der Künstlergruppe Lambretta mit Hilfe von Mikrowindkrafträdern, die auf dem Dach der Galerie montiert werden, die für die Ausstellung benötigte Energie selbst produzieren. An den Wänden der Galerie wird eine Reihe von Videoarbeiten installiert. Der Wind-Generator lädt 8 Akkus, die auf dem Boden der Galerie platziert sind. Diese Batterien liefern die Energie für das einzige Licht im Raum. Darüber hinaus kommen die Batterien für den Betrieb von kleinen Elektromotoren (Plattenspielern) zum Einsatz, die sich in unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegen und mit kleinen Fichtenpflanzen bestückt sind. Sämtliche Energie, die in der Ausstellung zum Einsatz kommt, entspringt der eigenen Windkraftanlage.

Energie, Bewegung und Transformation sind wiederkehrende Themen in den Arbeiten der Künstlergruppe Lambretta, die von jungen Absolventen der Kunsthochschule Oslo Ende der 1970er Jahre formiert wurde. In den 1980er Jahren waren die Künstler von Lambretta in Norwegen und anderen Ländern Europas mit zahlreichen Projekten aktiv und realisieren seitdem in loser Folge gemeinsame Ausstellungen. Die Hamburger Installation ist als informelles Spiel mit verschiedenen Gegenständen rund um die Wechselwirkungen zwischen Energie/Entropie und Maxwells Dämon konzipiert.

Die Ausstellung wird von der Kulturbehörde Hamburg, OCA – Office of Contemporary Art Norway, Projekt Støtte/NBK-Norway, gefördert.